Erfolgsgeschichten

Der Freeliner im Test

Ganz ehrlich: Seit ich dieses Teil kenne, ist das Thema Älterwerden für mich kein Grund mehr zur Sorge. Es ist extrem vielseitig – je nach Bedarf sanft und entspannt oder auch richtig bissig. Dazu kommt: Es hält durch, wirkt sehr zuverlässig und macht insgesamt einen außergewöhnlich stabilen Eindruck. Für Menschen mit Beinamputation ist es aus meiner Sicht eine starke Ergänzung, um die persönliche Mobilität mit Prothese noch besser abzusichern.
Redakteur: Michael Kramer

Test: Freeliner Air 45 (Evo 111) – Schluss mit der Angst vorm Älterwerden

Was für ein Aha-Erlebnis. Obwohl ich als Prothesen-Erprobungsprofi schon vieles gefahren bin, hat dieses Hightech-E-Dreirad für mich ein neues Kapitel in Sachen Mobilität aufgeschlagen.

Der Freeliner (3. Generation) ist 1,56 m lang, 64 cm schmal – und alles andere als ein gemütlicher „Seniorenroller“. Stahlrohrrahmen, Luftfederung, 13 cm Bodenfreiheit, grobe Hinterräder mit zwei separaten Motoren, ein großes Vorderrad, rundum Scheibenbremsen und ein tief platzierter, herausnehmbarer Akku: Das wirkt wie konsequent als Fahrmaschine gedacht – Wolf im Schafspelz.

Je nach Ausführung reicht die Palette vom Krankenfahrstuhl (6/15 km/h) über 20 km/h bis zum Kleinkraftrad mit Straßenzulassung und 45 km/h (Helm- und Führerscheinpflicht). Genau diese stärkste Variante habe ich getestet – mit Schalensitz, Fußrasten und Alukoffer.

Die Einweisung in Karlsruhe bei einem auf Elektro-Leichtfahrzeuge spezialisierten Anbieter war schnell erledigt: Sitz/Lenker einstellen, Akku laden, Zündschloss – los geht’s. Bedient wird wie beim Motorrad über den Lenker (Bremshebel, Blinker, Hupe, Rückwärtsgang). Dazu gibt’s Fahrmodi, Tempomat, Lichtfunktionen, Display und sogar USB. Umbauten, etwa Einhandbedienung, sind ebenfalls möglich – für viele Nutzer ein entscheidender Punkt.

Beim Fahren braucht es anfangs Respekt: Das stark einschlagende Vorderrad macht den Freeliner extrem wendig, verlangt in schnelleren Kurven aber aktives Mitgehen mit dem Oberkörper – ein bisschen wie Beiwagenfahren. Dafür lässt sich die Kraft fein dosieren: von „Kaufhausmodus“ bis „volle Leistung“ mit kräftigem Durchzug und 45 km/h Spitze. Im Gelände überrascht er positiv – optisch nah am Scooter, fahrdynamisch deutlich erwachsener.

Im Alltag punktet er mit sofortiger Einsatzbereitschaft (Helm auf, Schlüssel drehen), kleinem Platzbedarf und bis zu 120 km Reichweite – mit Zweitakku theoretisch doppelt so viel. Einschränkungen gibt’s auf schlechtem Belag: kurzer Radstand und schmale Spur sind auf Kopfsteinpflaster oder Holperstrecken weniger komfortabel. Und als Kleinkraftrad bleibt man auf die Straße beschränkt – auf schrägen Landstraßenrändern kann es dann durchaus sportlich werden.

Unterm Strich: Für kurze Wege funktioniert Mobilität oft gut mit Prothese – für längere Strecken, Wege mit Gepäck oder an schlechten Tagen kann der Freeliner eine sehr passende, belastungsärmere Ergänzung sein.

Auf drei Rädern nach Ägypten

Ein Reisebericht von Lars Lippenmeier

Eine Reise nach Ägypten – mit Behinderung, aber voller Energie. Der Freeliner soll mir auf den Strecken helfen, die ich aufgrund meiner Gehbehinderung nicht zu Fuß bewältigen kann. Auf den ersten Blick wirkt der dreirädrige Roller sehr leicht. Wird er diesen Härtetest bestehen? Der Transport im Auto klappt gut; je nach Größe des Kofferraums kann der Freeliner entweder in voller Größe geladen oder auf die Größe einer Getränkekiste zusammengeklappt werden.

Am Flughafen muss ich Überzeugungsarbeit leisten, da der Freeliner als Behindertenfahrzeug kostenlos mitgenommen werden soll. Zudem wurde ein Begleitservice für das Flughafengelände organisiert. Die Fluggesellschaften Germania und SunExpress sind anfangs etwas uninformiert. Schließlich klappt es jedoch, und ich darf mitfliegen. Nachdem die Batterien im Reisegepäck verstaut sind, wird der Freeliner am Schalter entgegengenommen.

Die jungen Reisebegleiter des Veranstalters Schauinsland wirken etwas überfordert, bemühen sich jedoch, Lösungen zu finden, um den Freeliner überall hin mitzunehmen. So begleitet mich der Freeliner zum Strand, zur abendlichen Erfrischung in die Hotelbar und sogar in den benachbarten Wellnessbereich. Vom Empfang geht es durch die Umkleidekabine, vorbei an staunenden Gästen, die sich im Pool entspannen, direkt bis zum Behandlungsraum. Dort kann ich mich bequem auf die Massagebank legen.

In Luxor, der einstigen Hauptstadt Ägyptens, besuchen wir zwei Tempelanlagen, die von Pharaonen vor über 3000 Jahren errichtet wurden. Über holprigen Untergrund, vorbei an imposanten Säulen und Monumenten, bewegen wir uns von einem Innenhof zum nächsten. Mehrere Stufen und Unebenheiten müssen überwunden werden. Kleinere, langgezogene Stufen meistert der Freeliner bei normaler Fahrt. Bei größeren Absätzen muss das Vorderrad des Rollers im Stand angehoben werden, doch auch diese Hindernisse lassen sich problemlos überwinden.

Im Tal der Könige, einer beeindruckenden Grabanlage, fahre ich eine meterlange Rampe hinab ins Dunkel, direkt bis zur Grabkammer der ägyptischen Pharaonen. Zum Glück ist der Freeliner gut beleuchtet. Während der steilen Abfahrt mache ich mir Gedanken über den Rückweg. Doch diese Sorgen sind schnell verflogen. Ich gebe Gas, und der Freeliner schießt die Rampe mit Leichtigkeit wieder hinauf zum Ausgang. Die Hupe ertönt schrill und hallend durch den Raum. Die Touristengruppe vor mir weicht auseinander, und das fahle Sonnenlicht fällt auf meinen Freeliner.

Fazit - ist der Freeliner reisetauglich?

„Der Freeliner besticht durch sein modernes Design. Seine Bauweise und Verarbeitung sind so robust, dass er zwei Flüge nahezu unbeschadet übersteht, abgesehen von einigen Abnutzungsspuren. Selbst unter erschwerten Bedingungen, wie auf unebenem Untergrund, zeigt der Freeliner eine beeindruckende Leistung. Seine Power und Wendigkeit sorgen für hohen Fahrspaß.

Dank seines geringen Eigengewichts und des Klappmechanismus ist er ein ausgezeichneter Reisebegleiter, besonders für Menschen mit Handicap, die mobil bleiben möchten, aber nicht alle Strecken zu Fuß bewältigen können. Dennoch sind ein gewisses Maß an Kraft im Oberkörper und ein gutes Gleichgewicht erforderlich, um sich auf dem Gerät zu halten und es bei Bedarf selbst anheben zu können.“

Edelmetall für den Freeliner

Für mein Pferd und mich sind Training und Wettkampf immer große Herausforderungen – das kennt jeder Sportler. Für Menschen mit Handicap ist es auf dem Reitplatz noch anspruchsvoller, mobil zu bleiben.

Mit dem Freeliner kann ich längere Strecken, auch durch den Sand, mühelos zurücklegen. Das ermöglicht mir endlich, selbstständig zu sein, unabhängig von der Größe der Turnierplätze. Es ist ein fantastisches Gefühl!

Der Freeliner hilft mir, meine Kraft für mein Pferd zu nutzen, anstatt sie für den Weg zu ihm aufzuwenden. Zudem bin ich nun wieder auf Augenhöhe mit meinem Gegenüber. Für mich hat der Freeliner definitiv eine Medaille verdient, und er bringt mich auch problemlos zur Verleihung derselben.

Steckbrief

Dr. Angelika Trabert, 45 Jahre alt, ist eine Spitzensportlerin aus Rheinland-Pfalz, die seit 1991 beeindruckende 21 Medaillen bei Paralympics, Europa- und Weltmeisterschaften im Para-Equestrian gewonnen hat.

Die Fachärztin für Anästhesie setzt sich nicht nur im Reitsport für Menschen mit Handicap ein, wo sie lange Zeit international als Athletensprecherin tätig war, sondern engagiert sich auch in der Dritten Welt. Dort arbeitet sie regelmäßig als Narkoseärztin für die Hilfsorganisation MANGO e.V.

Ihr Lebensmotto lautet: „It’s Ability, not Disability that counts!“

Freiheit in der Natur und Begegnung auf Augenhöhe

Es ist ein großartiges Gefühl, mit dem Freeliner bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit aktiv zu bleiben, zusammen mit meinem Vita-Assistenzhund.

Der Freeliner meistert nahezu jede Steigung mühelos, und ich kann nun überall unabhängig hin gelangen. Ich kann Radfahrern und Fußgängern endlich wieder auf Augenhöhe begegnen. Der Freeliner ist ein echter Hingucker; mit ihm bin ich sportlich unterwegs, immer flott und stets stilvoll

Steckbrief

Esther Weber, die erfolgreichste Rollstuhlfechterin Deutschlands, hat sämtliche sportliche Titel gewonnen, darunter Deutsche Meisterin, Europa- und Weltmeisterin sowie Paralympics-Siegerin. Darüber hinaus wurde die Südbadnerin mit verschiedenen Fair-Play-Preisen ausgezeichnet.

Eine besondere Ehre wurde ihr zuteil, als die Schule für körperbehinderte Kinder in Emmendingen seit 2008 ihren Namen trägt: Esther-Weber-Schule. Die zweifache Mutter engagiert sich ehrenamtlich für die Gleichberechtigung von Kindern mit und ohne Handicap.

Ihr Lebensmotto lautet: „Nicht darüber nachdenken, was sie nicht kann, sondern tun, was sie kann.“